BalkanPride – LGBT Fotoausstellung in Plovdiv

Plovdiv/Bulgarien [Wordpress] Die europäische Kulturhauptstadt 2019, begeistert mit einer sehenswerten Fotoausstellung. Vor einigen Jahren im erzkonservativen Bulgarien noch unvorstellbar, macht es nun die exponierte Stellung der Stadt möglich, eine Fotoausstellung über die Geschichte der LGBT-Bewegung auf dem Balkan zu zeigen.

Im Stammhaus der Stiftung „Plovdiv 2019“ wird seit dem 5. Juli die Ausstellung BalkanPride gezeigt. Auf etwa 30, teils großformatigen Farbfotografien, einigen Grafiken und einem dokumentarischen Videofilm erfährt man jede Menge über die Geschichte der LGBT Bewegung von Zagreb über Novi Sad bis Sofia. Diese Bewegung musste in den Balkanländern einen besonders schweren Kampf führen, um in der Gesellschaft anerkannt zu werden. In der Mehrheitsgesellschaft gab es schlicht nur das eine, von den Religionen vorgegebene Familienbild. Wer sich diesem Bild widersetzte oder es in Frage stellte, wurde nicht selten aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

Auch im Vorfeld der jetzigen Ausstellung in Plovdiv, gab es jede Menge Widerstand von rechtskonservativen Kräften, die dieses Event, das im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt stattfindet, verhindern wollten. Svetlana Kuyumdzhieva, künstlerische Leiterin des Festivals (Bild oben), befürchtete rechte Übergriffe während der Eröffnungsveranstaltung. „Aus diesem Grund habe wir Polizeischutz angefordert und zudem einen privaten Sicherheitsdienst beauftragt, die Eröffnung der Ausstellung zu schützen.“, so Frau Kuyumdzhieva. Tatsächlich fand sich zur Eröffnung nur eine Handvoll Gegendemonstranten ein, die gegenüber des Gebäudes mit Transparenten auf sich aufmerksam- und gegen die Ausstellung Stimmung machten.

Zwar steht diese Ausstellung unter dem Schirm der Stiftung „Plovdiv 2019“ und befindet sich auch in deren Hauptsitz in der Ekzarh Yosif Straße, doch kuratiert wird sie von der Gruppe „Fuse“. Diese Gruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, die Integration von verschiedenen sozialen Gruppen, ethnischen Minderheiten und unterschiedlicher Generation voranzutreiben. Sie will die Gesellschaft zusammenführen und Grenzen zwischen den verschiedenen Gruppen überwinden helfen.

Es gab bisher in Plovdiv noch keine LGBT-Demo, doch dafür hat sie in Sofia, der Hauptstadt Bulgariens, schon eine über 10 jährige Tradition. Viele Menschen aus Plovdiv fahren zu diesem Anlass dorthin. „Bei den letzten Demos in Sofia, waren es locken über 20.000 Leute aus dem ganzen Land, die dort auf der Straße waren. Betroffene wie Unterstützer.“, erklärt Victor Yankov, stellvertretender Leiter der Stiftung. In einem Abschnitt der Ausstellung werden auch Fotos gezeigt, die Übergriffe von rechtsradikalen Gruppen auf die Demonstrationszüge in den verschiedenen Balkanstädten dokumentieren.

„In Matera, der anderen diesjährigen Kulturhauptstadt soll es auch noch eine LGBT-Demo geben.“, ergänzt Herr Yankov. Zudem ist in Novi Sad, der europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2021, aus diesem Anlass eine LGBT-Demo namens ‚Pride for Culture‘ geplant. Doch die jetzige Ausstellung in Plovdiv hat ein Zeichen gesetzt. Ein mutiges und engagiertes Event für eine Zukunft mit mehr Toleranz. „Und vielleicht haben wir dann ja nächstes Jahr hier in Plovdiv unseren ersten Christopher-Street-Day.“, fügt Yankov augenzwinkernd hinzu.

Plovdiv, europäische Kulturhauptstadt 2019

Plovdiv [Wordpress] – Offiziell ist Plovdiv schon, neben der italienischen Stadt Matera, eine der beiden Kulturhauptstädte Europas. Doch auf den Straßen der zweigrößten Stadt Bulgariens merkt man davon sehr wenig. Nur wenige der ausländischen Besuchern wissen, dass sie sich in einer Kulturhauptstadt befinden.

Die Fußgängerzone und Einkaufsstraße von Plovdiv ist an diesem Nachmittag nur mäßig besucht. Schuld daran mag wohl auch die Hitze sein, die an diesem Tag noch knapp 40 Grad erreichen sollte. Die Menschen drängen sich auf der schmalen Schattenseite der Flaniermeile. Doch trotz einiger kleinerer Banner und einer Installation mit dem Schriftzug „together Plovdiv 2019“ merkt man nicht, dass man sich in einer der diesjährigen Kulturhaupstädte Europas befindet. Größere öffentliche Bühnen oder etwaige Podeste für Kleinkünstler sucht man vergebens. Auch findet man keine Hinweise auf mögliche Veranstaltungen.

Nur in der Touristeninformation wird man auf Nachfrage fündig und bekommt die Termine der nächsten Veranstaltungen frisch auf einem Blatt Papier ausgedruckt. Auch gibt es eine Broschüre (sogar auf Englisch), als eine Art Veranstaltungskalender, doch die ist unübersichtlich gestaltet und das Suchen darin wird zur wahren Geduldsprobe. 
 Von offizieller Seite heißt es, dass 2 Millionen Menschen dieses Jahr die Stadt Plovdiv besuchen werden. Doch selbst optimistische Sachkundige halten diese Zahl für weit übertrieben.

Vom Kulturhaus, dass auch die ‚Oper Plovdiv‘ beherbergt, erfährt man Näheres zu den geplanten Veranstaltungen. So erzählt Frau Nina Dimovska, Leiterin des Kulturhauses, dass mehr als 400 Events unter dem Motto „together 2019“ organisiert werden. „Alle Veranstaltungen, die die Oper aufführen wird, sind sogar schon ausverkauft.“ erklärt Frau Dimovska. Von Open-Air-Opern in antiker Kulisse, über Rock- und Popkonzerten bis hin zu Lesungen, Workshops und Folkloreabenden reicht das Angebot des Festivals.

Eigentlich ein Programm, das viel Unterhaltung verspricht. Doch man fragt sich, wo die Besucher sind. Die meisten der Touristen, die durch die Altstadt spazieren, wissen nichts von einer Kulturhauptstadt und haken die Stadt nur als ‚besucht‘ auf ihrer Balkanroute ab. 
Dinko (Name geändert), ein Geschäftsmann, der einen kleinen Laden in der Altstadt betreibt meint: „Eigentlich habe ich wesentlich mehr Kunden erwartet. Doch die wenigen Leute bleiben kurz vor dem Laden stehen, gucken und gehen weiter.“ Tatsächlich ist sein Umsatz in den letzten Monaten sogar um 10 Prozent zurückgegangen. Seinen wahren Namen will er nicht veröffentlicht sehen, weil er Repressionen von Seiten der Stadt befürchtet.

Das gesamte Festival wird von der Stiftung „Plovdiv 2019“ organisiert. 
Victor Yankov, stellvertrender Leiter der Stiftung, legt Wert darauf, dass die künstlerischen Gruppen ihre Veranstaltungen selbst organisieren und auch die Locations dafür auswählen. Vielleicht sei deswegen so wenig vom alltäglichen Festival in den Straßen der Stadt zu spüren.
 Alle Fäden der verschiedenen künstlerischen Gruppen laufen aber in der Stiftung wieder zusammen.

Besonders stolz ist er aber einige Events, die, für bulgarische Verhältnisse, besonders mutig sind. Dazu zählt eine Fotoausstellung über die LGBT-Bewegung in den Balkanländern und ein Projekt, dass mit Künstlern und Roma-Kindern aus dem Roma-Stadtteil ‚Stolipinovo‘ realisiert wurde. Eigentlich ganz normale Veranstaltungen, doch für das erzkonservative Bulgarien, ist dies fast schon ein revolutionärer Akt.

Eine Kulturhauptstadt sollte das seinem Besucher bieten, weswegen er eine solche Stadt besucht: Nämlich Kultur zum Anfassen und zum Erfahren auf Schritt und Tritt. Nicht versteckt in irgendwelchen Nischen und möglichst noch mit einer Pay-Wall versehen. 
Und dabei wäre es doch so einfach gewesen, dem Beispiel der vorherigen Kulturhauptstädte zu folgen. Plovdiv 2019, eine Kulturhauptstadt in der man die Kultur erst einmal finden muss.